|
Bernhard Uphoff
Das Norderneyer Kap
Bevor der Leuchtturm auf Norderney entstand (1873), war das Kap viele
Jahrzehnte lang dem Seefahrer Erkennungszeichen dieser Insel.
Seine Bedeutung ging erst durch den 1929 errichteten wuchtigen Wasserturm,
in dessen Schatten es nun steht, etwas verloren. Dafür hat es seinen
Platz im Norderneyer Stadtwappen erhalten und trägt so die Erinnerung
fort an schicksalhafte Zeiten blühender Inselschiffahrt. Kapen
als Seemarken gab es an der Nordseeküste schon im ausgehenden Mittelalter.
Damals genügte den Norderneyer Schiffen ihr Kirchturm als Richtziel.
Das Kap entstand erst in jüngster Vergangenheit.
Im Revolutionsjahr 1848 bat die Emder Kaufmännische Deputation
ihre hannoversche Regierung, Norderney und Langeoog als von See her
sich ähnelnde ostfriesische Inseln durch Kapen unterscheidend zu
kennzeichnen, um die vielen Schiffsunfälle einzuschränken.
Während diese Eingabe unbeachtet blieb, beauftragte Hannover auf
eine gleiche Vorstellung des Bremer Senats vom Januar 1849 sofort den
Wasserbaudirektor Kettler in Emden zu Vorschlägen. Er wünschte
für Norderney ein und für Langeoog zur besseren Unterscheidung
zwei Kennzeichen. Hannover hielt insgesamt zwei Kapen für ausreichend.
Beide hölzernen dreieckigen Lattengestelle liefen mit dem mittleren
Lagerkreuz in einer Spitze auf, auf der auf Norderney noch ein dreieckiges
Lattenheck besonders angebracht war. Diese Unterscheidung war unzureichend.
Von See her zeigten sich beide Kapen als turmähnliche Spitzen.
Dazu war auf Langeoog der Standort im Osten der Insel unglücklich
gewählt. Das dortige Kap wurde deshalb auf das Westende der Insel
(beim jetzigen Wasserturm) versetzt und etwa 400 Schritte davon ein
zweites Kap von gleicher Art und Größe auf einer gleichhohen
Düne errichtet.
Wasserbaudirektor Kettler hatte seine ursprüngliche Ansicht gegenüber
der Generaldirektion des Wasserbaues in Hannover also durchgesetzt.
Das geschah nach einem aktenreichen Kampf mit allen bekannten bürokratischen
Mitteln. Anhörung von Sachverständigen beider Gruppen, Besichtigung
mit entsprechenden Reisekosten (39 Reichsthaler, 5 gute Groschen), Gutachten,
Stellungnahmen des Emder Rates und des Bremer Senats. Die Seefahrer
selbst waren anscheinend befriedigt.
Der von Norwegen heimkehrende Langeooger Kapitän Johann Adam Leiß
hatte bei 13 15 Faden Wassertiefe die neuen Zeichen schon aus etwa 4
Meilen Entfernung vom Lande bemerkt. Andere Schiffer sahen es 2 Meilen
diesseits Helgoland, das 8 Meilen vom Westende der Insel Langeoog entfernt
liegt.
Die beiden ersten aufgestellten Kapen kosteten rund 976 Reichstaler,
davon kamen 618 Rtl. auf Material, 206 auf Arbeitslohn (Zimmermeister
C. G. Kiltzer in Aurich), 152 Rtl. auf Transport und Nebenkosten. Für
Langeoog entstanden zusätzlich 876 Rtl. mit 646 Rtl. für den
Neubau des zweiten und 230 Rtl. für die Versetzung des ersten Kaps.
Zur jährlichen Unterhaltung mußten einige Taler aufgewandt
werden, insbesondere für das regelmäßige Teeren des
Holzes und die Unterhaltung der Dünenböschungen.
Viel Schaden verursachten in dieser Hinsicht die Norderneyer Badegäste
beim Besuch der Kapdünen, als damals beliebtes Ausflugsziel. Im
Jahre 1870 schrieb die Regierung den Bau eines massiven Kaps auf Norderney
aus. Etwa 36. 700 Backsteine und 122 Kubikfuß Kiefernholz sollten
dabei verwendet werden. Fast 12 m hoch erhebt sich seitdem auf einer
15 m hohen Düne der sechskantige Unterbau aus rotbraunen Klinkern
mit darüberstehendem dreieckigen Lattenheck und grüßt
die Schiffer auf der See.
(Staatsarchiv Rep. 43 Nr. 76, Amtsblätter 1849
und 1870)
|